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„Nicht nur Rampen auf die A92: Bus, Bahn und Rad für den Nahverkehr“

Aktionsgruppe Klimaentscheid nimmt Stellung zur Entscheidung des Stadtrats

Die Aktionsgruppe Klimaentscheid Deggendorf bleibt bei ihrem Vorschlag, den Verkehr auf neuen Wegen zu bewältigen und keine neue Donaubrücke zu bauen – auch nach der Ablehnung des Stadtrates, für Rampenauffahrten in Fischerdorf auf die A92 einen Antrag zu stellen. „Wir haben ja nicht nur die Rampen in Fischerdorf für den Fernverkehr vorgeschlagen. Seit Beginn der Diskussion regen wir hauptsächlich an, Bahn, Bus und Fahrrad zu stärken, um die Stadt von fahrendem und stehendem Autoverkehr zu entlasten“, erklärt Georg Kestel für die Aktionsgruppe. Er ist zugleich Chef der Deggendorfer Kreisgruppe des BUND Naturschutz. „Das ist nach wie vor hochgradig sinnvoll. Wir verfolgen das aktuell mit dem Bürgerantrag zum Erhalt der Anna-Eder-Promenade und des Gartenschaugeländes auch weiter. Den Antrag können alle Bürgerinnen und Bürger der Stadt mit ihrer Unterschrift unterstützen“, wirbt Kestel. Gelegenheit dazu besteht auch am Samstag, 4. Juli zwischen 10 und 13 Uhr am Oberen Stadtplatz bei einem Infostand der Aktionsgruppe.

Nahverkehr auf die Nahverkehrsträger

„Das Verkehrsgutachten zur Rampenlösung zeigt, dass gut 6600 Fahrzeuge pro Tag weniger als 10 km weit fahren – Rampen wie Brücke bedienen also vor allem den kurzen Pendelverkehr zwischen der Stadt und Fischerdorf. Das sind zum überwiegenden Teil Arbeits- und Ausbildungspendler in den Stoßzeiten. Für diese Verkehre können und müssen die Nahverkehrsträger Bahn, Bus und Rad ertüchtigt werden. Die dafür nötigen Donaubrücken sind schon gebaut, sie müssen schlicht nur besser angebunden und genutzt werden. Für die Bahn wäre z. B. ein weiterer Halt in Fischerdorf sinnvoll, für den Radverkehr der Aufbau eines durchgängigen und sicheren Radwegenetzes von und zur Donaubrücke, die mit der Landesgartenschau entstanden ist. Eine deutliche Entlastung würde auch der Aufbau eines zweiten Recyclinghofes auf der Stadtseite bringen.“

Die nötigen Investitionen zum Beispiel in den Radverkehr sind im Vergleich zu einer neuen Donaubrücke für den Autoverkehr minimal. Der Ausbau des gesamten Radnetzes nach dem Konzept der Stadt wurde auf etwa 1 Mio Euro geschätzt, der Bau einer neuen Autobrücke dagegen auf 75 Mio Euro. Die Stärkung des Nahverkehrs abseits vom Auto wäre zugleich auch Politik für Kinder und Jugendliche und alle, die nicht Autofahren können oder wollen.

Sicherheit und Leichtigkeit auch für den Radverkehr in der Stadt!

Für den Radverkehr sieht die Aktionsgruppe so oder so massive Defizite, die dringend und schnell angegangen werden müssen. Das gelte nicht nur, weil zunehmend mehr Menschen mit Rad oder E-Bike unterwegs sind, das Wegesystem aber nicht mitgewachsen sei. „Bei der Prüfung der Rampen ist ständig von der ‚Sicherheit und Leichtigkeit des Verkehrs’ die Rede – dieses gesetzliche Ziel der ‚Sicherheit und Leichtigkeit‘ gilt aber auch für den Radverkehr. Das muss jetzt endlich konsequent angegangen werden – die Pläne dafür liegen fertig in der Schublade“, mahnt die Aktionsgruppe an.

Bahnhalt in Fischerdorf und Reaktivierung der Bahnlinie nach Hengersberg

Für die Verbesserung des Bahnverkehrs sind mehrere Möglichkeiten im Gespräch. „Für einen Halt in Fischerdorf müsste die Waldbahn elektrifiziert werden, um die für den Halt nötige zusätzliche Zeit herausfahren zu können. Wenn die Tschechische Bahn innerhalb weniger Jahre bis 2027 die Elektrifizierung bis Bayerisch Eisenstein hinbekommt, dann muss das auch die Deutsche Bahn schaffen.“

Als überzeugend bewerten die Mitglieder der Aktionsgruppe, zudem die Idee, die Bahnlinie, Deggendorf-Hengersberg für den Personenverkehr zu reaktivieren. Hierfür sammelt eine Privatinitiative im Internet Unterschriften. „Mit dieser Linie könnten vom Hauptbahnhof aus die TH Deggendorf, der Hafen Deggendorf, die Deggenau, Seebach mit den Gewerbeflächen auf dem früheren TWD-Gelände und schließlich Niederalteich und Hengersberg erschlossen werden. Und das ganze unabhängig vom möglichen Stau auf der parallel verlaufenden Staatsstraße. Einen Vorgeschmack haben wir an den Sperrungswochenenden gehabt – und es braucht niemand glauben, dass der Verkehr auf der A3 tatsächlich über 10 Jahre an der Baustelle störungsfrei vorbei fließt“, ist Martin Sigl als Mitglied der Aktionsgruppe überzeugt.

Ausbau alternativer Verkehrsträger zum Auto bietet Vorteile

Auch hier würden sich, wie beim Ausbau des Radverkehrs in der Stadt, die Vorteile zeigen, die sich aus der Förderung von Alternativen zum Auto ergeben. „Es ist schlicht phantasie- und mutlos, wenn man auf Probleme auf der Straße immer nur mit neuem Straßenbau reagiert und weiter wie in den letzten Jahrzehnten alle anderen Verkehrsträger vernachlässigt. Das wird nur zunehmend teurer und führt nur in den nächsten Stau“, befürchtet Sigl. „Die Folgen der systematischen Vernachlässigung von Alternativen sieht man auch beim geplanten Ausbau der A3: bei dem jetzt erwarteten Verkehrszuwachs handelt es sich ausschließlich um LKW auf langen internationalen Fahrstrecken, die eigentlich schon seit Jahrzehnten auf die Bahn gehören.“

„Technische Unmöglichkeit“ der Rampen ist Folge von starren Richtlinien – die andernorts auch nicht eingehalten werden

Die in der Stadtratssitzung monierte „technische Unmöglichkeit“ der vorgeschlagenen Rampen sieht die Aktionsgruppe in einem größeren Zusammenhang. „Wenn man für die Planung entsprechend strenge Rahmenbedingung setzt, dann wird es immer eng. Wenn z. B. Abfahrten bis zur Staatsstraße keine anderen Flächen erschließen und keine engeren Radien als 30 oder 40 Meter haben dürfen, dann ist es wahrscheinlich, dass eine ‚technische Unmöglichkeit’ herauskommt.“ Bei anderen Anschlüssen würden die Vorgaben jedenfalls nicht eingehalten: „Für Plattling Mitte musste erst noch eine Gemeindestraße zur Kreisstraße aufgestuft werden, um zumindest so zu tun, als wäre man im Fernstraßennetz; und jeder LKW fährt auf den Kreisverkehren im Stadtgebiet deutlich engere Radien als 40 Meter. Für uns ist das vor allem ein Beispiel, dass entsprechend hochgeschraubte Standards und Bauvorschriften Alternativen unmöglich machen. Das wird von der Politik für den Hochbau gern als Ursache von unbezahlbaren Wohnungen angeführt, gilt aber genauso für den Straßenbau“, erklärt Georg Kestel, der für die Aktionsgruppe die Rampen skizziert hatte. „Wir begraben die Rampen-Ideen natürlich nicht – die Richtlinien und die Strenge ihrer Anwendung können sich auch wieder ändern. Für den Donauausbau waren auch mal 2,5 m Tiefe und der sogenannte Viererschubverband unverzichtbar – davon ist heute nicht mehr die Rede.“

Unterschriften für die Reaktivierung der Bahn zwischen Deggendorf und Hengersberg sind hier (Link auf externe Webseite bei change.org) online möglich. Der Bürgerantrag der Aktionsgruppe für den Erhalt des Gartenschaugeländes und den Ausbau des Nahverkehrs steht hier zum Download, er muss jedoch ausgedruckt und von Hand unterschrieben werden.

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