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Aktionsgruppe Klimaentscheid plädiert für offene Diskussion zur Nutzung aller regenerativer Energieträger im Landkreis Deggendorf

Die bayerische Staatsregierung hält noch an der 10H-Regelung zur Windenergie fest, auch der Deggendorfer Landrat Bernreiter stützte vor kurzem als Chef des Landkreistages diese Regel. Die Aktionsgruppe Klimaentscheid Deggendorf plädiert dagegen für eine deutlich offenere Diskussion.

„Südostbayern hat tatsächlich etwas mehr Potenziale für Sonne als für die Nutzung von Windenergie. Allerdings brauchen wir eine angemessene Nutzung aller möglichen Quellen auch für die Stabilität der Versorgung. Und da gehört auch die Windenergie dazu. Windräder drehen sich auch in der Nacht, wenn die Sonne nicht scheint“, erklärt Georg Kestel, Vorsitzender des BUND Naturschutz Deggendorf. Er verwies im Online-Treffen der Aktionsgruppe im Januar auch darauf, dass sowohl an der Grenze zum Landkreis Straubing wie auch vor allem am nördlichen Rand des Landkreises schon einmal grundsätzlich geeignete Gebiete für die Windenergienutzung in der Regionalplanung identifiziert worden seien. „Grundlage für diese Abgrenzung war das Windaufkommen, die Entfernung zu Siedlungen und Schutzgebieten und landschaftliche Kriterien. Die Vorarbeiten damals sind aber durch die Einführung der 10H-Regelung abrupt beendet worden“, erinnert sich der Deggendorfer BN-Chef.

Als eher „parteipolitisch motiviertes Getöse“ ordnet die Aktionsgruppe den von Bernreiter hergestellten Gegensatz zwischen Stadt und Land ein. Bernreiter hatte angeführt, dass der ländliche Raum nicht dazu da sei, „den Energieversorger für den Verdichtungsraum zu spielen“, solange nicht in den Städten z. B. die dortigen Photovoltaikpotenziale ausgenutzt würden. „Ver- und Entsorgung der Städte durch den ländlichen Raum sind aber tatsächlich die Regel – keine Stadt kann länger als ein paar Tage überleben, wenn sie nicht aus dem Umland mit Wasser und Nahrungsmitteln versorgt wird und das Umland Abfälle, Abwasser und auch Verkehr und Gewerbeflächen aufnimmt. Das ist also nichts Neues und nichts Ungehöriges – entscheidend ist vielmehr, dass für alle diese Leistungen ein angemessener Preis gezahlt wird“, stellt Klaus von Eichhorn von Parents for Future dazu fest.

Tatsächlich sei die Argumentation aber auch noch gar nicht wirklich relevant. „Dass Deggendorf zum Beispiel München mit Energie versorgen könnte, ist ja aufgrund des geringen Zubaus an Erneuerbaren in den letzten Jahren noch lange nicht in Reichweite. Wir wären ja schon froh, wenn sich der Landkreis Deggendorf klimaneutral selbst mit Energie versorgen würde. Auch im Landkreis werden aber bisher z. B. enorme Dachflächenpotenziale nicht genutzt. Das gilt nicht nur für private, sondern auch immer noch für viele öffentliche Gebäude“, erklärt Romy Stetter von Fridays for Future. „Potenziale liegen gerade in unserem Landkreis aber auch in der Biomasse in Form von Holz, Grünschnitt, Biomüll und ähnlichem“, ergänzt hierzu Raimund Hulke, seit vielen Jahren aktiv beim BUND Naturschutz und beim „Besseren Müllkonzept“. Voraussetzung für die regionale Energieversorgung sei jedoch auch, zunächst den Energieverbrauch zu reduzieren.

Die Klimaentscheid-Aktionsgruppe sieht in einer lokalen und regionalen Energiewende jedoch nicht nur Kosten, sondern auch erhebliche wirtschaftliche Chancen. „Man muss sich ja nur einmal vorstellen, wie viel Geld aus den etwa 57.000 Haushalten im Landkreis für den Einkauf von Heizöl oder Erdgas letztendlich nach Russland, Kasachstan oder Saudi-Arabien überweisen wird, und wer oder was dadurch letztendlich finanziert wird. Es ist sehr viel sinnvoller, diese Mittel im Landkreis oder wenigstens in der Region zu halten. Gleiches gilt für die Investitionen und Dienstleistungen rund um die Energieversorgung“, erklärt Rolf Sihr von der ÖDP Deggendorf.

Die Aktionsgruppe unterstützt in diesem Zusammenhang die Idee eines Klimaschutzfonds, der im Rahmenklimaschutzkonzept der Stadt Deggendorf vorgeschlagen wird. „Die Erfahrung ist, dass die Chance z. B. für den Bau von Windenergieanlagen steigen, wenn sie nicht durch externe Investoren, sondern durch die Bürgerinnen und Bürger vor Ort finanziert werden. Wir halten es für richtig, dass nicht nur Lasten, sondern auch Gewinne in der Region verteilt werden“, meint Sihr dazu. Ein nachahmenswertes Beispiel ist für die Gruppe die Gemeinde Furth bei Landshut, die sich seit etlichen Jahren mit einem an die Gemeinde angepassten Mix verschiedener Energieträger rechnerisch selbst versorgt. „Auch die Nutzung von Biomasse, die ohnehin z. B. bei Landschaftspflegemaßnahme anfällt, spielt dort als steuerbarer Energieträger eine Rolle“, weiß Georg Kestel vom BUND Naturschutz.

Um in die Diskussion dieser Fragen einzusteigen, hat ein Kreis von Organisationen für die Zeit bis April eine erste Online-Veranstaltungsreihe organisiert. Beteiligt ist neben dem BUND Naturschutz, die Katholische Erwachsenenbildung (KEB), die Landvolkshochschule Niederalteich und das Umweltreferat des Bistums Passau sowie die Aktionsgruppe Klimaentscheid Deggendorf. „Die Veranstaltungen, vom ersten Einstieg am 27.1. mit Josef Holzbauer bis hin zu einem Vortrag von Dieter Gewies, dem früheren Bürgermeister von Furth bei Landshut, sind auf unserer Webseite wie auch auf den Webseiten der beteiligten Organisationen zu finden. Wir freuen uns auf eine möglichst gute Resonanz und eine rege Diskussion zu diesen wichtigen Themen“, erklären die Mitglieder der Aktionsgruppe. Jeweils zu Beginn der Vorträge, um 19 Uhr, wird die Gruppe ihr Anliegen und die Bürgerbegehren zum Klimaschutz vorstellen, die Vorträge selbst beginnen um 19:30 Uhr.

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