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Zum Verbrennen zu schade – Potenziale der Biomüllvergärung

Online-Vortrag mit Josef Metzger (Das bessere Müllkonzept)

Josef Metzger setzte unsere Online-Vortragsreihe zum angewandten Klimaschutz (zusammen mit BUND, KEB Deggendorf) fort. Metzger ist aktiv beim „Besseren Müllkonzept e.V.“, dem bayrischen Dachverband von 25 Bürgerinitiativen im Bereich Müll.

Eines der Ziele des Besseren Müllkonzept e.V ist unter anderem, ein zukunftsfähiges, umweltfreundliches und kostengünstiges Konzept für die Biomüllverwertung durch Vergärungsanlagen zu etablieren.

Der Vortrag zeichnete ein umfassendes, mit einer Vielzahl an Fakten hinterlegtes Bild der Möglichkeiten zur Energiegewinnung aus Grüngut und Biomüll. Die Biomasse stellt mit 2,03 Mio. Tonnen pro Jahr den Wertstoff Nr. 1 in Bayern. Dabei lieferte Metzger mit seiner Erfahrung aus jahrzehntelangem Engagement im Gesamtbereich Abfall sowohl eine bayernweite Analyse zur Biomüllvergärung als auch eine vergleichsweise positive Einordnung des Zweckverbands Abfallwirtschaft in das Gesamtbild. Zum Abschluss hatte er – unterstützt auch durch die ihm von der ZAW für die Landkreise Deggendorf, Passau und Regen zur Verfügung gestellten Daten – außerdem noch eine Analyse der regionalen Situation samt möglicher Verbesserungspotenziale mitgebracht.

Verwendung von Biomüll für die Vergärung

Welche Vorteile bietet die Verwendung von Bioabfall und Grüngut bei der Vergärung? Im Gegensatz zu anderen Wertstoffen ist er bereits vorhanden, durch die Weiterverarbeitung zu Biomethan wird die gewinnbare Energie speicherbar und kann so einen wichtigen Beitrag dazu leisten, von Energieimporten wie z.B. russischem Erdgas unabhängig zu werden. Biogas kann aber auch die Schwankungen von Wind, Wasser und Sonne ausgleichen. Auch Wertschöpfung und Arbeitsplätze wären so regional vor Ort. Außerdem ist Biomüllvergärung als Teil der Wärmewende mit vorhandener Technik umsetzbar, des Weiteren sind die Nebenprodukte aus den Fermentern ein hochwertiger Düngerersatz, Bodenverbesserer und Phosphatquelle für die Landwirtschaft und durch den Gesamtprozess samt Nachkompostierung wird der Atmosphäre am Ende sogar CO2 entzogen. Dies, sowie eine Vielzahl an Daten und Hintergrundinformationen vermittelte Metzger im ersten Teil seines Vortrags.

Biomüll-Vergärung kostengünstiger als Verbrennung

Als überregional sehr bedeutend stellte Metzger das Engagement zur Erhöhung der Sammelmengen heraus, da insgesamt allein in Bayern pro Jahr 700000 t Biomüll in der Restmülltonne landen und verbrannt werden, was immerhin knapp 35% der den Recyclingkreislauf beschreitenden Menge entspricht. Bereits rein aus ökonomischen Gesichtspunkten ist die Verbrennung mit Kosten von 120€ pro Tonne im Vergleich zur Vergärung und der Kompostierung mit Prozesskosten von 70 bzw. 60€/t dabei wirklich die schlechteste Option. Würde diese Menge stattdessen vergärt, könnte man unter anderem auch ineffizientere Verbrennungsanlagen stilllegen.

Die Sammelmengen des ZAW im Bereich Biomüll ordnete Josef Metzger als positiv ein, insgesamt werden hier pro Jahr 210 kg pro Einwohner an Grüngut und Bioabfall eingesammelt, der bayernweite Durchschnitt liegt bei 155 kg. Das heißt aber nicht, dass keine Luft mehr nach oben besteht, die höchste regionale Sammelmenge an Biomüll pro Kopf lag beispielsweise 2020 bei 360 kg.

Weitere Optimierungsmöglichkeiten beim ZAW

Großes Potenzial sah Metzger im ZAW-Bereich sowohl in der Erweiterung der Vergärung in Passau als auch der Grüngutvergärung in Regen inklusive Gasaufbereitung, sodass auch die Biomüllmengen aus den anderen Landkreisen vergärt werden können.

Damit könnten die aktuellen 11.971 t Biomüll und die etwa 60% des kompostierbaren Anteils der 42.882 t Grüngut pro Jahr statt kompostiert vergärt werden, was einen Gasrohertrag von ca. 22.620 MWh/a und in Kombination mit dezentrale Blockheizkraftwerken für den Winterbetrieb und Einsatz von Wärmepumpen 44.000 MWh Heizwärme erzeugen würde. Damit ließen sich z.B. 22.000 Personen, die in sanierten, energiesparenden „5-Liter-Häusern“ wohnen, für einen Winter mit Heizwärme versorgen, führte Metzger weiter aus. Rechnerisch ergibt sich im Vergleich mit Erdgas-Heizung eine CO2 Gutschrift von 8.800 t CO2, die der Atmosphäre entzogen würden. Bei einem CO2-Zertifikatspreis von 30 € entspricht das einem Wert von 264.000 €/a, ganz zu schweigen vom Beitrag für den Erhalt eines lebensfreundlichen Planeten.

Weitere Biomasse-Potentiale

Weiterhin ging Metzger auch auf andere, noch erschließbare Wertstoffpotentiale in der Region ein, wie die Verwertung von Gülle und Mist aus der Viehhaltung sowie Biomasse aus dem Zwischenfruchtanbau. Damit ließe sich bei energetisch sanierten Häusern mit Hilfe von Wärmepumpen rechnerisch Heizwärme von ca. 3,3 Mio. MWh für alle Bewohner des ZAW-Gebiets erzeugen.

Die Teilnehmenden verabschiedeten sich nach der Fragerunde schließlich in den Abend mit dem Wissen um ein weiteres Puzzlestück für den Weg in ein nachhaltigeres, klimafreundliches Morgen, das jedoch noch ein ganzes Stück bekannter werden sollte.

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