Das Jahr 2025 war für die Aktionsgruppe Klimaentscheid Deggendorf geprägt von kontinuierlichem Engagement, konstruktivem Dialog und konkreten Vorschlägen für eine klimafreundliche Zukunft unserer Stadt.
Zukunftsfähige Mobilität in Deggendorf – bewegt alle
Bereits zu Jahresbeginn stand der Austausch mit Unterstützerinnen und Unterstützern im Mittelpunkt. In mehreren Treffen diskutierten wir realistische Alternativen zur geplanten Donaubrücke und setzten uns intensiv mit der Frage auseinander, wie eine moderne, klima- und menschenfreundliche Verkehrspolitik für Deggendorf aussehen kann.
Dabei stellte die Aktionsgruppe Planskizzen zu einer Anbindung von Fischerdorf in einem sog. Halbanschluss von und in Richtung Deggendorf mit zwei Rampen vor (als Anbindung Richtung München kann die Anschlussstelle Plattling Nord gut erreicht werden). Die Rampen wären eine besonders kostengünstige Alternative zu der geplanten zusätzlichen Donaubrücke – mit einem Zehntel der Kosten kann der gleiche verkehrliche Effekt erreicht werden. Sie vermeiden dabei außerdem eine Zerstörung des Landesgartenschaugeländes etwa in der Mitte der Donaupromenade, am Donauspielplatz und am unteren Ende des Geländes beim Strandcafe.
Klimaschutzkonzept der Stadt Deggendorf – mangelhaft
Im Frühjahr begleiteten wir das neu vorgestellte Integrierte Klimaschutzkonzept der Stadt kritisch und fachlich fundiert. Unser Ziel ist es, aufzuzeigen, wo gute Ansätze vorhanden sind – und wo mehr Verbindlichkeit und Mut notwendig sind, um die Klimaziele tatsächlich zu erreichen. Mit dem Konzept wurde erstmals eine „Eingangsbilanz“ angegeben. Diese ist u. a. dadurch gekennzeichnet, dass ein erheblicher Teil der Emissionen aus dem Verkehr stammt, und hierbei auch aus dem überörtlichen Verkehr (aus den im Stadtgebiet verlaufenden Fernstraßen). Auffällig ist aber, dass im Konzept an einigen Stellen der Zeitpunkt, bis zu dem Deggendorf klimaneutral sein soll, auf 2045 verschoben wurde. Nach Angabe der Stadt würde dies auf die verwendete Software zurückgehen, die kein anderes Enddatum erlaubt. Bisher gibt es keinen klaren Fahrplan, wie und mit welchen Zwischenzielen das beschlossene Ziel der Klimaneutralität bis 2035 erreicht werden soll. Wie sie die Deggendorfer Klimaziele erreichen wollen, das werden wir auch im Kommunalwahlkampf 2026 mit den Kandidaten thematisieren.
Mobilität: Radwege und Alternativen zur dritten Donaubrücke – auf allen Ebenen
Ein wichtiger Schwerpunkt über das ganze Jahr 2025 war die Mobilität.
Bei öffentlichen Rad-Ortsterminen, unter anderem am Schulzentrum Eggerstraße, machten wir gemeinsam mit Bürgerinnen und Bürgern sichtbar, wo der Radverkehr bereits gut funktioniert und wo es noch an Sicherheit und Durchgängigkeit fehlt – besonders für Kinder und Jugendliche auf dem Schulweg. So ist grundsätzlich positiv zu verbuchen, dass entlang der Eggerstraße zweiseitig und entlang der Konrad-Adenauer-Straße zumindest einseitig ein Radweg ergänzt werden soll. Laut Stadtverwaltung ergibt sich auch die Möglichkeit, den Radweg entlang dem Hammermühlbach weiter nach Westen Richtung Bogenbach zu verlängern.
Bis zum Ende des Jahres führten wir eine Vielzahl von Gesprächen, um Alternativen zur umstrittenen zusätzlichen Donaubrücke aufzuzeigen. Bezüglich der Rampenlösung sprachen wir vor allem mit regionalen Bundestagsabgeordneten, da die Rampen das Bundesfernstraßennetz betreffen. Mit einem Stadtratsbeschluss am Ende des Jahres 2025, der die Verwaltung beauftragt, einen entsprechenden Antrag bei der Autobahnverwaltung bzw. dem Bundesverkehrsministerium zu stellen, haben wir zunächst das Maximum des Möglichen erreicht.
Laut Verkehrsuntersuchung soll ein großer Anteil des Verkehres, der von Rampen aufgenommen wird, eine Reichweite von unter 10 bzw. 20 km haben. Sollte dies so zutreffen, besteht die Möglichkeit, dass der Antrag an der fehlenden Fernverkehrswirksamkeit scheitert.
Eine sehr ähnliche Verteilung der Verkehrsweiten dürfte auch für die zusätzliche Donau-Brücke gelten – woraus sich die Frage ergibt, weshalb der Freistaat Bayern (per sog. „Sonderbaulast“) eine derartige, vor allem örtlich wirksame, d. h. nicht dem „Durchgangsverkehr dienende“ Verkehrsverbindung finanziert.
Als Alternative für die Abwicklung des Nahverkehrs wurde von der Aktionsgruppe von vornherein die Stärkung des Öffentlichen Nahverkehrs und des Radverkehrs vorgeschlagen. Möglichkeiten bestehen z. B. im Ausbau und der Taktverdichtung (in den Berufspendelzeiten) des Busverkehrs, in der Ergänzung einer Bahn-Haltestelle in Fischerdorf (in Verbindung mit der Elektrifizierung der Waldbahn, um die nötige zusätzliche Haltezeit „herausfahren“ zu können) und im umgehenden Ausbau der Radwegeverbindungen über die bestehende Rad- und Gehwegbrücke über die Donau. Ein entsprechender Bürgerantrag „Besser vorankommen in Deggendorf mit ÖPNV und Rad“ wurde jedoch leider Ende 2024 vom Stadtrat abgelehnt.
Im Fall einer Ablehnung des Antrags auf Errichtung von Rampen werden sich unsere Bemühungen darauf konzentrieren, die genannten Möglichkeiten zur Verbesserung von ÖPNV und Radwegen endlich mehr zu nutzen. Dazu gehört es auch, bestehende Konzepte z.B. zur Stärkung des Radverkehrs konsequent umzusetzen und entsprechende Finanzmittel einzusetzen, wie das auch für den Kraftfahrzeugverkehr im Fall der Planungen der dritten Donaubrücke geschieht.
Infrastrukturkonferenz: Fachkompetenz im Energiesektor live
Ein Höhepunkt des Jahres war die 4. Infrastrukturkonferenz „Energie aus Deggendorf für Deggendorf“. Rund 60 Teilnehmende informierten sich über Bürgerenergie, Stromspeicher und regionale Energieversorgung. Der große Zuspruch bestätigte uns: Viele Menschen wollen die Energiewende vor Ort aktiv mitgestalten.
Ziel: Bürger-Energiegenossenschaft Donau-Wald
Daran knüpfte im Herbst ein Infoabend zur geplanten Bürger-Energiegenossenschaft Donau-Wald an. Hier wurde deutlich, welches Potenzial in gemeinschaftlichen Lösungen steckt – wirtschaftlich, ökologisch und gesellschaftlich. Nach dem Vortrag besteht aktuell die Aufgabe, zum einen eine geeignete Genossenschaftssatzung zu entwickeln, zum anderen aber auch geeignete Projekte für einen Einstieg in eine Genossenschaftsgründung zu finden. Diskutiert wurden verschiedene PV- und/oder Speicherprojekte, aber auch z. B. Möglichkeiten zur Nutzung von Biomasse im Landkreis zur Energieerzeugung.
Unser Fazit 2025:
Es braucht wohl weiterhin den Klimaentscheid Deggendorf, um in unserer Region neue Perspektiven zu öffnen und mit langem Atem Klimaschutz in allen Sektoren zu der Relevanz zu verhelfen, die er für unseren Planeten hat. Ob mit Alternativen zum Millionenprojekt „Dritte Donaubrücke“, mit Informationsangeboten wie den Infrastrukturkonferenzen oder als Ausgangspunkt, um eine Energiegenossenschaft in der Region zu gründen.
Im Jubiläumsjahr (2026 feiert die Aktionsgruppe das fünfjährige Bestehen) freuen wir uns ganz besonders über jegliche Unterstützung, vom einfachen „Like“ auf Social Media bis hin zu konkretem, aktivem Engagement beim Ideen finden, Organisation und Umsetzung.
Für die anstehende Kommunalwahl erwarten wir von den Kandidierenden klare Statements zu den dringlichen Themen Radinfrastruktur, ÖPNV, Energie- und Wärmewende. Die Wählerinnen und Wähler bitten wir, die jeweilige Herangehensweise in die Wahlentscheidung mit einzubeziehen.